Eine Glückliche Ehe – Chance, Glück, oder Zufall?

Eine Glückliche Ehe – Chance, Glück, oder Zufall?

Eine Glückliche Ehe – Chance, Glück, oder Zufall?

Zum Zeitpunkt, an dem ich dies schreibe, haben wir unseren 11. Hochzeitstag.

Ich bin so privilegiert, mit Benny verheiratet zu sein. Ich empfinde eine so tiefe Dankbarkeit, und ich staune, wie ich so über alle Massen gesegnet sein kann. Mit diesem Mann Gottes verheiratet zu sein, diesem Mann voller Integrität, Liebe, Beständigkeit, Geduld, Humor … ein Mann, der in der Lage ist, mich auch dann zu verstehen, wenn ich emotional beladen bin. Er ist ein so ehrenwerter Mann und alles, was er anfasst, blüht auf. Er liebt mich auf eine Art und Weise, die mich freimacht, mich selbst zu sein. Er sagt mir jeden Tag, wie sehr er mich liebt und wie sehr er sein Leben mit mir geniesst.

Ich weiss, dass wir von aussen betrachtet, wie dieses Glückspärchen aussehen.

Dass ich durch Zufall auf einen so erstaunlichen Mann gestossen bin und dass unsere Beziehung durch einen Glücksfall so ist, wie er heute ist.

Dies ist jedoch nicht der Weg, wie wir dorthin gekommen sind.

Es ist vielmehr so, dass es viel gebraucht hat, bis wir uns nur schon dazu durchgerungen haben, zu heiraten.

Als ich ihn kennenlernte, führte ich ein sehr abenteuerliches Leben. Ich reiste viel, arbeitete an vielen verschiedenen Orten, fühlte mich wohl und glücklich, wenn ich unterwegs war, wenn ich mit anderen Kulturen, Sprachen, Speisen in Berührung kam … Und ich hatte das Gefühl, innerlich zu sterben, wenn ich zu lange am selben Ort bleiben musste.

Dazu kam noch, dass ich in der Vergangenheit eine „Pseudo-Beziehung“ hatte, von der ich dachte, ich wüsste, wie sich echte Liebe anfühlen sollte.

So intensiv, dass einem der Atem stockt, so stark, dass es wehtut, so mächtig, dass man alles, was einem lieb ist, aufgibt, nur um mit dieser Person zusammen zu sein.

Und nun … das war sicherlich nicht die Art von Liebe, die ich für Benny empfand.

Hinzu kam, dass er mir wie ein sehr langweiliger junger Mann erschien. Er wohnte immer noch in dem Haus, in dem er aufwuchs, er arbeitete im selben Geschäft, in dem er seine Lehre gemacht hat, und die Art von abenteuerlichem Leben, das ich kannte, interessierte ihn nicht im Geringsten.

Für ihn war ich auch eine Herausforderung:

Er ist der Perfektionist, der Exzellenz liebt. Nun, als wir uns kennen lernten, war ich ein unsicheres, nicht perfektionistisches, stotterndes Mädchen mit einer Vergangenheit voller emotionaler Turbulenzen, das nicht wusste, wie man sich modisch kleidet (etwas, was ihm auch wichtig war).

Es würde zu lange dauern, auf alle Einzelheiten einzugehen, aber das war unser Anfang, als wir uns vor 14 Jahren kennen lernten – und das entspricht meiner Meinung nach ganz und gar nicht dem, wie doch eine romantische, perfekte Beziehung aussehen sollte, die sich vierzehn Jahre später als wunderschöne Ehe präsentiert!

Ich war sehr verunsichert, ob wir heiraten sollten:

Ich wusste, dass dies ein wirklich erstaunlicher Mann war – Ich wusste auch, dass ich noch nie jemanden wie ihn getroffen habe. Und dass ich sehr dumm sein würde, einen solchen Mann gehen zu lassen. Aber ich wusste auch, dass unser Leben nicht wirklich „zusammenpasste“ und dass für mich alle Hoffnungen auf eine abenteuerliche Zukunft zunichte sein würden.

Ich wusste aber auch, in welche Katastrophen ich mich in der Vergangenheit bereits gebracht hatte, wenn es um emotionale Angelegenheiten ging. Deshalb war ich bereit, mir von Gott den Weg und die Schritte zeigen zu lassen, die ich gehen sollte. Mein Leben wurde zu einem ständigen Gebet:

„Gott, zeige mir doch deinen Weg! Zeig mir, was ich tun soll! Öffne mir die Augen, um zu sehen, was du siehst!“

 

Nach einigen Monaten zeigte mir Gott, dass dieses Gefühl: „Ich habe keinen Frieden darüber, Benny zu heiraten“ in Wirklichkeit „Ich habe sehr grosse Angst vor dem Versagen“ war, und fügte dem noch hinzu, indem er mir sagte:

„Benny zu heiraten wird die weiseste Entscheidung sein, die du in diesem Bereich deines Lebens treffen kannst“.

Einige Monate (genauer gesagt 5 Monate) später heirateten wir.

Und nun, von Anfang an hatten wir eine „gute Ehe“. Wir hatten nie große Streitereien, wir haben nie das „Anklage-Beschämung-Spiel“ gespielt. Benny hatte mir gegenüber immer diese liebevolle und ehrenhafte Haltung.

Für mich, nun… auf der einen Seite war ich zutiefst dankbar für diesen Mann, der mich mit einer so ehrenden, bestätigenden und liebevollen Haltung behandelte, der mich jeden Tag mit Gottes Wahrheiten über mein Leben überschüttete und mich mit so viel Respekt, Zärtlichkeit und Liebe behandelte.

Aber irgendwie konnte ich dieser Realität nicht wirklich nachkommen. Ich erinnere mich an die vielen Male, in denen er mir sagte:

„Oh Jeanne, ich liebe dich so sehr“ – und meine Antwort war:

 

 

„Bist du verrückt? !“

Ich liebte es, mit ihm verheiratet zu sein, aber gleichzeitig war es auch ein Sterben an all die Dinge, die mich in der Vergangenheit lebendig fühlen liessen. Sie gehörten nun nicht mehr zu meinem Leben. Ich war an einen Mann gebunden, der ein sehr stabiles Leben führt und kein Bedürfnis, keine Notwendigkeit und kein Bestreben nach genau den Dingen hatte, die mir das Gefühl gaben, voll lebendig zu sein.

Darüber hinaus war ich so mit Scham gefüllt, dass ich mich unbedeutend, unwürdig und unsicher fühlte, wenn es darum ging, Beziehungen außerhalb unserer Ehe aufzubauen.

Eine andere Realität, mit der ich konfrontiert war, war die Tatsache, dass ich Benny nicht so liebte, wie ich in Vergangenheit geliebt hatte:

„Mit dieser Intensität, die einem den Atem raubt, so stark, dass es schmerzt, so mächtig, dass man alles, was einem lieb ist, aufgibt, nur um mit dieser Person zusammen zu sein.“

Ich liebte ihn, aber ich fühlte mich schuldig, ihn nicht mit jenen intensiven Gefühlen zu lieben, die ich von früher kannte. Auch hatte ich Angst, dass unsere Ehe auseinanderfallen würde, wenn mir jemand über den Weg laufen würde, der diese Art von Liebe auslösen würde.

Für mich wurde das Leben zu einem

„treu sein im kleinen“ und

„das Beste geben, was ich habe“.

Inmitten dieser Realität wirkte Gott wundervoll in meinem Leben. Schritt für Schritt führte er mich durch die vielen Dinge, vor denen ich Angst hatte, durch die vielen Orte, an denen ich Scham und Unsicherheit empfand, in eine neue Freiheit – Seine Freiheit.

Er zeigte mir, dass diese Art von Liebe, die ich in der Vergangenheit empfand, nicht Liebe war – sondern Co-Abhängigkeit. Diese Art von Liebe hat mich nie frei gemacht, mich selbst zu sein, sondern hat mich an das gebunden, von dem ich dachte, dass die andere Person will, dass ich es bin – wie ich fühlen sollte oder tun sollte. Diese Art von Liebe, die sich nur dann „richtig und echt“ anfühlt, wenn die andere Person mir das Gefühl gibt, komplett und vollständig zu sein. Das war die einzige Art von Liebe, die ich kannte, und hier war dieser Gott, der mich lehrte, zu lieben – mit wahrer Liebe, das heisst, mit Seiner Liebe.

Seine Liebe macht mich frei, mich selbst zu sein, Seine Liebe lässt mich ganz und gar lebendig fühlen, macht das Leben leidenschaftlich und wunderbar – mehr als jedes Abenteuer mich jemals fühlen lassen könnte. Seine Liebe beseitigt jede Scham (in meinem Fall war es ein Weg, der Jahre dauerte, nicht nur einen Augenblick) und führt mich in eine Sicherheit und Freiheit, die nicht davon abhängt, wie andere mich lieben oder eben nicht.

In diesem Prozess habe ich gelernt, meine Realität Seiner Realität zu unterordnen. Mich meiner Gefühle wohl bewusst zu sein, aber auch, diesen Gefühlen niemals zu erlauben, mein Leben leiten zu lassen oder ausschlaggebend für wichtige Entscheidungen im Leben sein zu lassen. Ich habe gelernt, mich meiner Gefühle wohl bewusst zu sein, aber auch, diese Gefühle niemals mein Leben leiten zu lassen. Sondern, meine Wahrnehmung auf seine Wahrheit auszurichten und in ihr zu wandeln – in jene Freiheit, die nur von Gott kommt.

Siehst du, das ist die Realität unserer Ehe.

Ja, wir haben eine wunderschöne Ehe. Ja, wir lieben einander innig.

Aber das hat nichts mit Zufall oder Glück zu tun. Es hat mit einem Gott zu tun, der so wunderbar treu ist, und mit unseren Herzen, die sich Ihm hingegeben haben, um Ihn und Seine Realität über alles zu stellen, was wir mit unserem Verstand und unseren Herzen wahrnehmen.

 

Heute liebe ich Benny von ganzem Herzen. Ich liebe unsere vier wunderbaren Kinder und bin zutiefst dankbar dafür, wie wir ihnen eine gesunde, solide Grundlage für das Leben und ihre Beziehung zu Gott vermitteln können. Ich fühle mich völlig lebendig, und ich weiß tief in meinem Herzen, dass das Abenteuer wieder Teil meines Lebens sein wird. Aber dieses Mal brauche ich es nicht mehr, um mich lebendig zu fühlen – aber ich genieße es, weil ich auch dazu geschaffen wurde.

Ich liebe das Leben, das wir haben, diese Stabilität, die Möglichkeit, kostbare Beziehungen zu wunderbaren Menschen aufzubauen, gerade auch wegen dieser Stabilität, Sicherheit und diesem Zielbewusstsein und (emotionalen) Beständigkeit in unserem Leben. Ich liebe die Gemeinde, zu der wir gehören, die Dienste, in denen wir tätig sind … und vor allem Liebe ich immer mehr diesen Jesus, der uns durch seinen Tod und seine Auferstehung alles gegeben hat, um ein Leben in SEINER Fülle, in Sinn, Leidenschaft und Intimität zu leben!

„Ich dachte, dass sei Liebe“ – wie man den Unterschied zwischen Liebe und Co-Abhängigkeit erkennt

„Ich dachte, dass sei Liebe“ – wie man den Unterschied zwischen Liebe und Co-Abhängigkeit erkennt

„Ich dachte, dass sei Liebe“ – wie man den Unterschied zwischen Liebe und Co-Abhängigkeit erkennt

Wie ich im letzten Artikel geschrieben habe, musste ich den Unterschied zwischen Co-Abhängigkeit und Liebe auf die harte Tour lernen.

Tatsächlich wusste ich nicht einmal, dass es einen Unterschied gibt.

Ich kannte das Wort „Co-Abhängigkeit“, machte aber nie die Parallele zu meinem eigenen Leben.

Co-Abhängigkeit

Überall um mich herum höre ich viele verschiedene Geschichten über „wahre Liebe“, über die Suche nach einem „Seelenverwandten“ und über den Glauben, dass Glück im Leben mit der „richtigen Person kommt, die mich vervollständigen wird“. Dass Liebe etwas ist, dem man nicht entkommen kann und dass man somit auch machtlos ist, wenn man „nicht mehr liebt“. Gleichzeitig vervielfältigen sich Geschichten über zerbrochene Beziehungen. Viele Familien werden auseinander gerissen, weil ein Partner erkannt hat, dass die Beziehung zu seinem Partner nie „wahre Liebe“ war. Oder jemand anderes trat in sein Leben ein und entpuppte sich als der oder die lang ersehnte „Seelenverwandte“ und er oder sie hinterliess eine zerbrochene Familie. Paare driften auseinander und trennen sich durch ihre Realität von „wir lieben uns nicht mehr“. In der Zwischenzeit geraten einsame Menschen in eine Beziehung, die sie in den ersten Wochen und Monaten erfüllt, aber mit der Zeit verwandelt sie sich in eine Beziehung, in der sie sich gefangen, ängstlich und unsicher fühlen. Doch sie sind zu sehr in das Leben ihres Partners verstrickt, um aufstehen und Grenzen schaffen zu können. Sie haben zu stark Angst, wieder allein zu sein.

 

Überall in der Musik finden wir Texte wie diesen:

  • „Du hast mich dazu gebracht, dich zu lieben. Ich wollte es nicht, ich wollte es nicht. Du hast mich traurig gemacht und ich glaube, du wusstest es die ganze Zeit… Du machtest mich glücklich, du machtest mich froh. Und es gab Zeiten, Liebling, da machtest du mich so traurig…
  • Gib mir, gib mir, gib mir, wonach ich schreie; du weisst, du hast die Küsse, für die ich sterben würde. Du weisst, du hast mich dazu gebracht, dich zu lieben.
  • Du bist mein Sonnenschein, mein einziger Sonnenschein. Du machst mich glücklich, wenn der Himmel grau ist… Bitte nimm mir nicht meinen Sonnenschein weg.“ (You are my sunshine, my only sunshine…)
  • „Alls, was ich will, ist dich zu lieben…“
  • „Du bist alles für mich…“

„Popmusik. Wenn es Gesetze gegen Werbung für co-abhängige Liebesbeziehungen gäbe, sässe Popmusik im Gefängnis, bis ihre Platten vergessen wären. Das gleiche gilt für viele Filme und eine Menge Bücher, sowohl Sachbücher als auch Romane.“

Du könntest fragen:

  • Was ist denn falsch an solchen intensiven Gefühlen?
  • Was ist falsch an einer verzehrenden, fast schon verehrenden Haltung gegenüber der Person, die man liebt?
  • Was ist falsch an der Erkenntnis, dass du deinen eigentlichen Partner nie wirklich geliebt hast und ihn für „wahre Liebe“ zurücklässt?
  • Was ist falsch daran, das zu tun, was dein Herz dir sagt?

Nun. Heute bin ich hier, um dir zu sagen, dass das keine Liebe ist. Dass dies als Co-Abhängigkeit zu verstehen ist.

Darlene Lancer, Expertin für Co-Abhängikeit und Autorin von Büchern wie „Codependency for Dummies“ („Co-Abhängigkeit für Anfänger“) und „Conquering Shame and Codependency: 8 Steps to Freeing the True You“ (Wie man Scham und Co-Abhängikeit erobert: 8 Schritte zur Befreiung von deinem wahren Ich“) erklärt in einem ihrer Artikel dieses Wort so:

Co- Abhängigkeit wird als „Beziehungsabhängigkeit“ oder „Liebessucht“ bezeichnet. Die Fokussierung auf andere hilft, unseren Schmerz und unsere innere Leere zu lindern, aber wenn wir uns selbst ignorieren, wächst dieser Schmerz nur. Diese Gewohnheit wird zu einem kreisförmigen, sich selbst aufrechterhaltenden System, das ein Eigenleben annimmt. Unser Denken wird obsessiv, und unser Verhalten kann trotz negativer Folgen zwanghaft sein. Als Beispiele können wir einen Partner oder Ex anrufen, von dem wir wissen, dass wir es nicht sollten, uns selbst oder unsere Grundwerte aufs Spiel setzen, um jemandem zu gefallen, oder aus Eifersucht oder Angst einer Person nachspionieren. Aus diesem Grund wird die Co-Abhängigkeit als Sucht bezeichnet (….)

Sie erklärt die drei möglichen Phasen einer solchen abhängigen Beziehung.

Frühes Stadium

Das frühe Stadium könnte wie jede romantische Beziehung aussehen, mit erhöhter Zuwendung und Abhängigkeit von Ihrem Partner und dem Wunsch, ihm oder ihr zu gefallen. Im Fall einer Co-Abhängigkeit können wir jedoch so auf die Person fixiert sein, dass wir problematisches Verhalten leugnen oder rationalisieren, unsere Wahrnehmungen in Frage stellen, gesunde Grenzen nicht aufrechterhalten und unsere eigenen Freunde und Aktivitäten aufgeben.

Mittleres Stadium

Allmählich wird ein erhöhter Aufwand erforderlich, um schmerzhafte Aspekte der Beziehung zu minimieren..  Angst, Schuldgefühle und Selbstvorwürfe setzen ein. Mit der Zeit nimmt unser Selbstwertgefühl ab, da wir immer mehr von unserer eigenen Persönlichkeit gefährden, um die Beziehung aufrechtzuerhalten. Wut, Enttäuschung und Groll wachsen. In der Zwischenzeit ermöglichen oder versuchen wir, unseren Partner durch Konformität, Manipulation, Nörgeln oder Schuldzuweisungen zu verändern. Vielleicht verstecken wir Probleme und ziehen uns von Familie und Freunden zurück. Es mag Missbrauch oder Gewalt geben. Unsere Stimmung verschlechtert sich, und Besessenheit, Abhängigkeit und Konflikt, Rückzug oder Konformität nehmen zu. Wir könnten in dieser Zeit andere Suchtverhalten entwickeln, damit wir damit umgehen können, wie z.B. Essen, Diäten, Einkaufen, Arbeiten oder Drogenmissbrauch.

Spätstadium

Jetzt beginnen die emotionalen Symptome und die Verhaltenssymptome unsere Gesundheit zu beeinflussen. Wir können stressbedingte Störungen wie Verdauungs- und Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Muskelverspannungen oder -schmerzen, Essstörungen,  Allergien, Herzerkrankungen oder andere gesundheitliche Probleme haben.  Obsessives, zwanghaftes Verhalten oder andere Abhängigkeiten nehmen zu, ebenso wie mangelndes Selbstwertgefühl und Selbstpflege. Gefühle der Hoffnungslosigkeit, Wut, Depression und Verzweiflung wachsen.

Vor mehr als einem Jahrzehnt, als ich so starke Emotionen für diesen Kerl empfand, von dem ich glaubte, dass ich ihn zutiefst liebte, war ich mir sicher, dass dies Liebe war. Wahre Liebe.

Aus dieser Überzeugung heraus, dass es sich um wahre Liebe handelte, begrub ich die Teile von mir, von denen ich das Gefühl hatte, dass sie ihm nicht gefallen würden. Ich vergrub die Träume, von denen ich wusste, dass er sie nicht teilen würde. Ich legte Gedanken weg, die mir sagten, dass er nicht wirklich die Art von Mann war, mit dem ich mein Leben verbringen möchte. Ich wies alle Bedenken von Freunden zurück, die mir sagten, dass sie nicht dachten, dass dieser Mann das sei, was ich in meinem Leben brauche. Freunde, die mich komplett von dieser Beziehung in Anspruch genommen sahen.

Ganz einfach, weil, so dachte ich, die wahre Liebe wichtiger ist als alles, was ich träumen oder wünschen könnte. Wichtig war doch nur, dass ich bei ihm sein kann, dass ich zu ihm gehöre.

Co-Abhängigkeit

Die Tragödie ist folgende:

Unsere Gesellschaft malt diese Art von Liebe als etwas Schönes und Romantisches – was sogar verständlich ist.

Man fühlt sich lebendig. Es ist wie das Betreten von etwas, das viel realer ist als jede andere Beziehung. Lieder, Bücher und Filme sagen uns, dass dies die wahre Liebe ist. Dass wir unseren Herzen folgen müssen, und wir dann wissen, welche Entscheidung wir treffen sollen.

So zerfallen Ehen. Singles geraten in destruktive Beziehungen.

Menschen, die ehrlich nach „wahrer Liebe“ suchen, treffen Entscheidungen, die sie weiter von der Erfüllung, echten Beziehungen und einer gesunden Ehe und Familie entfernen.

Als ich anfing, das ganze Konzept der co-abhängigen Beziehungen zu begreifen, half es mir, zu verstehen, dass sich dies bei mir genau so verhielt: Ich war zutiefst abhängig, ja süchtig in dieser Beziehung. Das war keine Liebe.

Heute, wo ich glücklich mit Benny verheiratet bin, bin ich mir sehr wohl bewusst, dass meine Liebe zu ihm ganz anders ist. Schon zu Beginn unserer Ehe wusste ich, warum ich ihn geheiratet hatte. Er hatte sich mir gegenüber viele Male bewiesen, bevor wir heirateten. Seine Art, mich würdevoll zu behandeln, mich zu lieben und das Beste aus mir herauszuholen, war in unserer Beziehung immer eine Realität. Die Art und Weise, wie er mit mir umging, liess mich wachsen. Dies, indem ich entdeckte, wer ich wirklich bin, und wer er wirklich ist. Er ehrte und liebte mich für meine Einzigartigkeit und feierte mich für meine Gedanken, Träume und Hoffnungen – sogar dann, wenn er sie selbst nicht teilte.

Das war mir immer bewusst und ich war tief dankbar.

Und trotzdem. Bis mehrere Jahre in unsere Ehe hinein sehnte ich mich danach, ihn so zu lieben, wie ich es bei diesem anderen Kerl tat. Denn ich dachte, dass dies am Ende „wahre, echte, tiefe, schöne Liebe“ wäre.

Heute, nach zehn Jahren in unserer Ehe, bin ich an einem Ort, an dem ich die Liebe, die Benny und ich füreinander haben, zutiefst wertschätze.  Zu verstehen, dass diese Gefühle, die ich für den anderen Typen hatte, keine Liebe waren, auch wenn sie mir so real erschienen, machte mich frei, das, was ich habe, voll zu schätzen und zu geniessen. Ich staune über die Person, die ich geheiratet habe. Ich bin über alle Masse dankbar, mein Leben mit diesem Mann verbringen zu dürfen. Verstehe mich richtig. Ich bin mir seine Fehler und Unvollkommenheiten sehr wohl bewusst. Aber ich weiss, dass sein Herz und wer er als Mensch ist, ist das Beste ist, was mir je passieren konnte. 

Co-Abhängigkeit

Ich kenne die Möglichkeit, dass es in dieser Welt eine andere Person gibt, die in der Lage ist, so starke Gefühle in mir zu erzeugen, wie dies in Vergangenheit der Fall war. Das kann jedem passieren, jederzeit, unabhängig von starker Überzeugung, hohem moralischen Standard oder echter Liebe zu Gott und seinem Wort.

Der Unterschied besteht darin, dass ich heute gut vorbereitet bin, solchen Gefühlen mit der Wahrheit zu begegnen, dass Co-Abhängigkeit keine wahre Liebe ist. Diese Co-Abhängigkeit ist genau das: eine Co-Abhängigkeit. Eine Beziehungssucht. Etwas, was dein Leben zerstören kann, dich deiner Familie und Freunde beraubt.

Beim Durchlesen des folgenden Fragebogens war ich erstaunt, wie viele dieser Fragen ich in der Vergangenheit mit „ja“ beantwortet hätte. Eigentlich jede einzelne Frage. Deshalb werde ich diesen Fragebogen beifügen, der von Adriane Michaud erstellt und hier veröffentlicht wurde, um dir zu helfen, einen Selbst-Check zu diesem Thema durchzuführen:

 

  • Fühlst du dich verantwortlich für andere Menschen – ihre Gefühle, Gedanken, Handlungen, Entscheidungen, Wünsche, Bedürfnisse, Nöte, ihr Wohlbefinden und ihr Schicksal?
  • Fühlst du dich gezwungen, Menschen bei der Lösung ihrer Probleme zu helfen oder indem du versuchst, dich um ihre Gefühle zu kümmern?
  • Findest du es einfacher, Wut über Ungerechtigkeiten, die anderen angetan wurden, zu fühlen und auszudrücken als über Ungerechtigkeiten, die dir angetan wurden?
  • Fühlst du dich am sichersten und wohlsten, wenn du andere beschenkst?
  • Fühlst du dich unsicher und schuldig, wenn dich jemand beschenkt?
  • Fühlst du dich leer, gelangweilt und wertlos, wenn du dich nicht um jemand anderen kümmerst oder ihm hilfst, ein Problem zu lösen oder eine Krise zu bewältigen?
  • Verlierst du das Interesse an deinem eigenen Leben, wenn du verliebt bist?
  • Bleibst du in Beziehungen, die nicht funktionieren? Tolerierst du Missbrauch, um die Menschen dazu zu bringen, dich zu lieben?
  • Verlässt du ungesunde Beziehungen, nur um neue einzugehen, die auch nicht funktionieren?

Wenn du, wie ich in der Vergangenheit, die meisten dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet hast, möchte ich dich ermutigen, dich tiefer mit dem Thema Co-Abhängigkeit zu befassen.

Mein Lieblingsbuch zum Thema heisst „Mut zur Liebe„, geschrieben von Hemfelt, Minirth, Meier.

Es gibt noch einiges mehr an Literatur auf Deutsch. Diese ist im Bücherhandel unter dem Suchwort CO-Abhängigkeit einfach zu finden.

Offener Brief an den Mann, der mir das Herz gebrochen hat

Offener Brief an den Mann, der mir das Herz gebrochen hat

Offener Brief an den Mann, der mir das Herz gebrochen hat

Lieber Freund,

Lange Zeit waren du und „unsere Geschichte“ in mir begraben wie das Wrack der Titanic auf dem Meeresgrund – vergessen und unsichtbar, aber Teil meiner Geschichte, meiner Vergangenheit. Noch Jahre später war es für mich sehr schwierig, in die Tiefe des Meeres zu tauchen, um das Wrack unserer Geschichte zu betrachten, ohne mich von Traurigkeit und einem Gefühl des Versagens überwältigt zu fühlen.

heart

Dich loszulassen war das Schwierigste, was ich je in meinem Leben getan habe. Es war, als wenn man eine Art von Drogen aufgibt.
Einfach weil du, durch den, der du bist, tiefe Stellen in mir berührtest, von denen ich nicht einmal wusste, dass sie existieren. Mit dir wurde das Leben plötzlich real und lebenswert.
Gleichzeitig, dadurch, dass ich dich kennen lernte, brachtest du mich in Kontakt mit diesem verborgenen, verletzten Ort tief in mir.
Dieser Teil von mir, der durch deine Persönlichkeit, deine Art zu sein, sozusagen aufgeweckt wurde.

Ich wollte mehr als alles, dass du mich liebst.

Du liebtest es, wie ich dich liebte. Du liebtest es, wie ich dich verstand, dir zuhörte und alles gab, um dir meine Aufrichtigkeit und meine Liebe zu beweisen. Du warst beeindruckt von meiner Fähigkeit, „wirklich zu lieben“.

Deshalb versuchtest du, mich attraktiv zu finden. Du sahst Teile meines Herzens, meine Hingabe an dich und du warst beeindruckt von der Art und Weise, wie ich dich liebte…. und du hast versucht, an einen Ort zu gelangen, an dem du meine Liebe erwidern kannst.

Das weisst du ja  alles.

Der Grund, warum ich mich entschieden habe, diesen offenen Brief zu schreiben, ist, um dir – und einer Gesellschaft, die durch Musik, Bücher und Filme dazu verleitet wird, zu glauben, dass eine solche Erfahrung wahre, echte Liebe ist – zu sagen, dass das keine Liebe ist.

Das war keine Liebe.

Ich kann dir erklären, was ich meine:

Als ich endlich erkennen musste, dass du mich nicht auf diese Art und Weise liebst, die unser Leben für immer zusammenschmelzen würde – war ich am Boden zerstört.
Zu akzeptieren, dass du nie derjenige sein würdest, in dem ich mich verbergen könnte, noch derjenige, in dem ich mich vollständig fühlen würde, verwandelte mein Leben für viele Monate in ein dunkles Loch.
Dich zu verlieren, dich loszulassen brachte mich in Berührung mit diesem tiefen Loch in mir, das sich verzweifelt danach sehnte, gekannt, gesehen, gewollt und geliebt zu sein.

Ich fiel in eine tiefe Traurigkeit und wurde überflutet mit Gefühle des Versagens.

Endlich wurde ich mit diesem unkontrollierbaren Bedürfnis in Kontakt gebracht, mich der Liebe und Annahme würdig zu erweisen – und gleichzeitig mit diesem tiefen Gefühl von Scham, Unwürdigkeit und der Angst vor dem verlassen sein.

Du hast mir das Herz gebrochen.

Mehr als ein Jahrzehnt später bin ich so dankbar, dass du mich nicht auf diese Art und Weise lieben konntest.

Ich bin mehr als dankbar, dass du sehr aufrichtig warst und das „Richtige“ tun wolltest – du hättest meine Hingabe und Sehnsucht auf eine Weise nutzen können, die ich mir nicht einmal vorstellen will.

Aber das hast du nicht getan. Ich danke dir dafür.

Ich bin dir auch so dankbar, dass du dich meinem inbrünstigen Versuch widersetzt hast, dich auf mein „Spiel“ zu einzulassen.

Natürlich spielte ich nicht. Ich dachte, dass diese tiefen Gefühle Liebe sein müssten. Dass diese tiefe Sehnsucht, bei dir zu sein, echte, reine, wahre Liebe sein musste.
Ich war überzeugt, dass das Zusammensein mit dir meine Welt vollkommen machen würde, meinem Leben ein Gefühl des Seins geben würde. Dass in meinem Leben alles “ unecht “ war, im Vergleich dazu, wie „echt“ du für mich warst!

Heute weiss ich es besser.

Ich weiss, dass das keine Liebe war – denn es ging nie um DICH. Es ging nur um mich.

Heute verstehe ich, dass ich dich so leidenschaftlich mit all der Liebe und Aufmerksamkeit überhäufte – weil ich hoffte, dass du eines Tages meine emotionalen Bedürfnisse nach Liebe und Intimität, die in meinem Leben unausgefüllt geblieben waren, erfüllen würdest.

Meine grösste Angst war, dass ich nicht gut genug wäre, um von dir geliebt zu werden.
Diese Angst veranlasste mich, mich ganz auf dich zu konzentrieren – ich war sehr fähig, mich in das einzufügen,  was du dir am meisten wünschst.

Dabei vergrub ich die Teile von mir, von denen ich dachte, dass du sie nicht mögen würdest. Ich begrub die Träume, von denen ich wusste, dass du sie nicht teilen würdest. Ich schob Gedanken weg, die mir sagten, dass du nicht wirklich die Art von Mann bist, mit dem ich mein Leben verbringen würde.

Nicht, weil du ein schlechter Mensch bist. Vielmehr, weil das, was ich wirklich bin, nicht zu dem passt, was du wirklich bist. Ich war immer zu viel für dich. Du hattest Visionen und Träume im Leben, die ich kein bisschen teilte.

Es dauerte viele Jahre, bis ich das klar erkennen konnte.

In den ersten Jahren meiner Ehe mit Benny hatte ich Mühe, dieses Bild der „wahren Liebe“ loszulassen.

Ich kämpfte damit, dieses tiefe Gefühl von Schuld und Traurigkeit loszulassen, die jedes Mal auftauchten, wenn ich mich zu diesem Wrack auf dem Meeresgrund wagte.

  • Die Befreiung kam an dem Tag, an dem ich verstand, dass es in dieser ganzen Geschichte nie um die wahre Liebe ging. Das war der Zeitpunkt, an dem sich das Wrack auf dem Meeresboden aufzulösen begann.

  • An dem Tag, als ich erkannte, dass es meine eigene Leere, meine eigenen Bedürfnisse, mein eigenes Loch in meiner Seele war, das schrie, von dir geliebt zu werden.

  • Dass all mein Schmerz, meine Qual, das Leiden, das ich wegen dir durchgemacht hatte – nie wirklich wegen dir war.

heart

Ja, du hast grossartige Arbeit geleistet, um diese Bedürfnisse und diese Leere aufzudecken. Aber am Ende ging es nie um dich, nicht einmal um „wahre Liebe“.

Es ging um meine Bedürfnisse, meine Sehnsüchte und meine Orte in meinem Leben, die leer waren und nach Liebe schrien.

Das ist nicht liebe, sondern Co-Abhängigkeit. 

Mehr dazu im nächsten Artikel.