Wie wir in schwierigen Zeiten ruhig bleiben können

von | Mrz 27, 2020 | Freiheit mit anderen, Freiheit mit Gott, Freiheit mit sich selbst | 0 Kommentare

Letzte Woche erhielt ich eine Voicemail von einer Freundin in Seattle – wir leben 8000 Kilometer voneinander entfernt, mit einem Zeitunterschied von 8 Stunden.

Ich war jedoch erstaunt, wie ähnlich unser Leben im Moment aussieht. 

Wir sind beide in ein Leben von Home-Schooling für unsere Kinder eingetreten. Unser Alltag beschränkt sich darauf, die meiste Zeit zu Hause zu bleiben. Jede Veranstaltung wird abgesagt, wir leben in dieser Ungewissheit, wie es morgen sein wird…(wir hatten beide sonniges, aber kühles Wetter und einen Garten, in dem wir einige Projekte durchführen konnten) es war erstaunlich, ihren Bericht zu hören und das Gefühl zu haben: „Wow, das ist auch mein Leben! “ Ich weiss, dass die meisten von euch gerade in dieser Realität leben.

Und wie geht es dir?

Wie kommst du mit der Realität, in der wir in dieser Zeit leben, zurecht?

Wie gehst du mit den vielen Veränderungen um, die in letzter Zeit eingetreten sind, ohne zu wissen, wann – und ob – das Leben wieder normal wird?

Ich persönlich finde das ziemlich stressig.

Der Umgang mit den vielen zusätzlichen Emotionen ist es, was mich am meisten herausfordert.

Vor wenigen Minuten hat ein Traktor die beiden Fussball-Tore, die auf dem Fussballfeld vor unserem Haus standen, weggefahren. Natürlich sollten sich dort die Kinder vom Dorf nicht mehr und jetzt Fussball spielen. Und trotzdem habe ich gespürt, dass in mir Gefühle der Ohnmacht und Frustration aufsteigen. Mein Junge drückte meine Gefühle aus:

„Oh Mama, ich hasse diesen Virus“.

Ich sah ihn an und sagte:

„Ich weiss, mein Schatz, es ist eine schwierige Zeit. Ich wünsche mir auch, dass es bald wieder normal wird, dass man sich mit Freunden trifft und wieder zur Schule gehen kann. Aber für den Moment machen wir das Beste aus unserer Zeit als Familie, was meinst du?“

Er sah mich nickend, mit einem nachdenklichen Ausdruck, an.

Vor vielen Jahren hörte ich einen Vortrag über einen Vergleich verschiedener Vogelarten mit uns Menschen. Ich kann mich nicht an alles erinnern, aber es gab da mindestens 4 Vogelarten:

Den Strauss, das Huhn, den Raben und den Adler.

Der Strauss

Der Strauss

Der Strauss, wie wir wissen, steckt seinen Kopf in den Sand, wenn er überfordert ist.

Das Huhn

Das Huhn

Das Leben des Huhnes beschränkt sich darauf, mit seinen Flügeln herumzuflattern und sich mit einem anderen Huhn um einen Wurm zu streiten.

Der Rabe

Der Rabe

Die Raben sind ein Bild von Menschen, die negativ über andere reden und sie in ihren Handlungen beurteilen.

Der Adler

Der Adler

Doch der Adler - nun, der Adler ist derjenige, der hoch über allem durch die Lüfte gleitet, mit Kühnheit, Würde und Ruhe. Der Adler nutzt schlechtes Wetter, um noch höher zu steigen.

Wenn wir diese Lehre für unsere Situation im Augenblick nehmen, können wir die verschiedenen Menschen um uns herum leicht erkennen. Wir können aber auch uns selbst erkennen.

  • Eine Person, die sich wie ein Strauss verhält, hat zu viel Angst, um sich der heutigen Zeit zu stellen. Überwältigt von Furcht würde sie sich in ein Versteck zurückziehen, in Panik geraten, wenn sie eine Person aus der Ferne husten hört. Jede Nachricht über mehr Infizierte oder mehr Todesfälle würde sie in einen Zustand der totalen Hoffnungslosigkeit treiben.
  • Eine Person, die sich wie ein Huhn verhält, hat auch Angst – doch noch viel mehr, verhält sie sich übernervös. Sie streitet sich um eine Packung Toilettenpapier oder Teigwaren, ist sehr angespannt, wenn sie die Nachrichten in den sozialen Medien oder in der Zeitung liest, oder die Nachrichten im Fernsehen schaut. Es gibt keine Ruhe, keinen Frieden. Die sozialen Medien sind voll von Kommentaren von Menschen, die sich so verhalten.
  • Eine Person, die sich wie ein Rabe verhält, sät Missgunst und negatives Gerede um sich herum. Ihre Haltung verurteilt jeden – von der Mutter auf der Strasse mit ihren kleinen Kindern – „Wie kann sie jetzt mit ihren Kindern spazieren gehen?  Sie sollte einfach zu Hause bleiben“ – bis hin zur Verurteilung von Personen, die mehr als eine Packung Teigwaren oder Toilettenpapier kaufen (wobei sie ignoriert, dass genau diese Person möglicherweise für ihre älteren Nachbarn einkauft). Sie fühlt sich berechtigt, die Motive jedes Einzelnen zu kennen und beurteilt jeden ihrer Schritte, und sie spricht gerne mit anderen Menschen darüber.

Beachte bitte, dass ich immer geschrieben habe „eine Person, die sich wie“ … Denn nun, wie man sich verhält, spricht nicht darüber, wer diese Person ist. Es zeigt jedoch etwas darüber, wo diese Person sich mit ihrem Leben befindet. Es drückt ihre tiefen Überzeugungen über sich selbst, andere und Gott aus – und wie sie auf das reagiert, was in dieser einzigartigen (und ja, sehr stressigen!) Jahreszeit ihres Lebens geschieht.

Wenn ich über mein eigenes Verhalten nachdenke, gebe ich zu, dass ich nicht immer sanft, friedlich, liebevoll und entspannt bin. Es gibt Zeiten, in denen ich spüre, wie die Angst in mir aufsteigt. Dass ich inmitten dieser vielen Veränderungen und die Ungewissheit herausgefordert bin, präsent und liebevoll mit meiner Familie umzugehen – oder Verhalten und Forderungen anderer Menschen entspannt zu begegnen.

  • Aber am Ende möchte ich mich wie ein Adler über die Umstände erheben und mich vom Wind durch diese herausfordernde Zeit tragen lassen. Ich möchte jeden, den ich treffe –  die Verkäuferin hinter der Glasscheibe an der Kasse vom Lebensmittelgeschäft, meine Freunde über soziale Medien oder meine eigene Familie, mit der ich zusammenlebe – mit Frieden, Sanftmut und Ruhe begegnen.

Und so fragte ich mich:

„Wie kann ich dorthin gelangen? Wie kann ich mich inmitten unserer Realität wie ein Adler verhalten?“

In diesem Artikel möchte ich dir ein paar Gedanken aufzeigen und wie ich ganz praktisch lerne, dies in meinem eigenen Leben umzusetzen.

Sei ehrlich mit dir selber.

Hast du Angst?
Bist du in Panik und hast du alle Geschäfte leer gekauft?
Ist das Sorgenmachen ein Teil deiner Realität und kannst du nachts nicht mehr schlafen, weil du Angst hast, was morgen passiert?
Hast du mit Gefühlen der Hoffnungslosigkeit zu tun, weil dein Geschäft bergab geht oder du nicht mehr arbeiten gehen kannst?

Niemand kann einfach anfangen zu fliegen, indem er diese Emotionen mit positivem Denken übertönt oder versucht, stark zu sein. Denn, nun ja, das „wahre“ Gefühl wird früher oder später auftauchen!

Das heisst, sich den Emotionen zu stellen, ist lebenswichtig. Mit sich selbst ehrlich zu sein und zuzugeben, wie man sich fühlt, ist der erste Schritt. Denn wahre Stärke bedeutet nicht, keine Angst zu haben. Wahre Stärke bedeutet, den Mut zu haben, sich diesen Gefühlen zu stellen und konstruktiv damit umgehen zu lernen – sonst werden sie dein Handeln bestimmen und dich dazu bringen, dich wie ein Strauss, ein Huhn oder ein Rabe zu verhalten!

Jeder ist anders, wenn es darum geht, diesen Emotionen zu begegnen. Einige brauchen einen Boxsack (wenn nicht vorhanden, reicht ein Kissen), andere können gut schreiben, singen, mit einer guten Freundin reden (Skype funktioniert dafür wunderbar).

Was auch immer du als Methode wählst, bedenke, dass die ultimative Person, die dich zutiefst kennt, dich liebt und gut in der Lage ist, dir mitten im Sturm Frieden zu geben, Jesus Christus ist. Wenn du dir in Seiner Gegenwart Zeit nimmst, einfach vor Ihn trittst und dein Herz (mit all deinen Emotionen) ausgiesst, wird sich deine Art zu fühlen ändern, und nicht nur das – es wird deine Sichtweise über die Situation ändern. Wenn wir zum Vergleich mit den verschiedenen Vögeln zurückkehren, ist es dann, wie wenn der Vogel im Hühnerhof erkennt, dass er doch kein Huhn war – sondern ein Adler, der am falschen Ort wohnt.

Das habe ich heute getan. Als ich aufwachte, fühlte ich mich bedrückt und müde, selbst nach einer guten Nacht. Ich nahm mir Zeit in Gottes Gegenwart – ich hatte nur 15 Minuten Zeit, bis ich zu meinen vier Kindern zurückgehen und ihnen Frühstück geben musste, um sie für einen Morgen Home-Schooling vorzubereiten – aber diese 15 Minuten veränderten meinen Tag. Ich konnte einige Tränen vergiessen und Gott sagen, wie ich mich fühlte. Fast sofort spürte ich, wie Gott zu mir sagte: Hast du vergessen, das Ich bin dein Versorger bin? Mein Name ist Jehovah Jireh, wie es im 1. Mose 22,14 heisst:

„Den Ort nannte er: »Der Herr versorgt.« Noch heute sagt man darum: »Auf dem Berg des Herrn ist vorgesorgt.«

Weisst du, beim Aufwachen war ich mir nicht sicher, warum ich mich so fühlte, wie ich mich fühlte. Aber Er wusste es, und Er kam in diese Emotionen hinein, so dass ich mich entspannen konnte und  ich von einem Ort des Friedens und der Entspanntheit aus handeln konnte, statt so, wie ich mich anfangs fühlte, als ich aufstand! Die Verse in Jesaja 40:31 wurden Wirklichkeit:

„Aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“

Nächste Woche werde ich mehr darüber schreiben, wie man nicht wie ein Strauss, Huhn oder Rabe reagieren kann, sondern wie man lernt, sich wie ein Adler über herausfordernde Situationen zu erheben und dem Leben und den Menschen um uns herum mit Kühnheit, Stärke und Würde zu begegnen.

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